Amiga 1200 – Blizzard 1230 SCSI Kit

Hallo zusammen,
nach unzähligen Verschiebungen steht endlich das Projekt an, meinen 1993 gekauften Amiga 1200, den finalen Hardwareschliff zu verpassen.
Zuerst die Hardwarekomponenten:
– Amiga 1200 mit Kickstart 3.1
– Blizzard 1230 MK-4 mit SCSI Kit
– Acard 7720u SCSI2IDE Adapter
– Indivision AGA 1200 MK-1
– Toshiba MK2004GAL Festplatte mit 20GB

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Dem geübten Amiga Auge sticht direkt das obere Abschirmblech ins Auge. Es handelt sich hierbei um eine Modifikation die Alternate bereits bei Auslieferung des Gerätes vornahm. Ursprünglich war eine 3,5 Zoll Festplatte mit damals sagenhaften 130MB verbaut. Aufgrund der Bauweise des A1200 war eigentlich eine 2,5 Zoll Festplatte vorgesehen und Alternate entschied sich für das ausschneiden des Bleches. Damals störte mich dies wenig… heute… nur ein wenig.

Unterm Blechkleid steckt der Indivision AGA 1200 MK1 und sorgt für ein klares Bild über den VGA Ausgang am Röhrenmonitor. Mich störte bisher immer Sprunghaftigkeit der Platine aus Lisa heraus. Ein kleiner Stoß genügte und es zeichneten sich Bildstörungen am Monitor ab. Somit war der Anwender gezwungen die Platine wieder festzudrücken. Grund hierfür scheint der verbaute Sockel zu sein der trotz aller liebe und abschleifen nie 100%ig halten mochte. Eine dauerhafte Lösung musste her und wie der Zufall es wollte, nahm ich Kontakt mit dem Hersteller auf. Dieser verkaufte mir einen Sockel, wie er ebenfalls im Nachfolgeprodukt, dem Indivision 1200 AGA MK2, verbaut wurde. Somit musste wiedermal der Lötkolben bzw. die Entlötpumpe herhalten. Glücklicherweise entfällt bei mir der Handbetrieb. Gut, der Indivision hat nun den neuen Sockel und ist unter dem oberen Abschirmblechverbaut.
Außerdem liegt auf der Platine eine dünne Pappe um Kurzschlüsse zu verhindern!

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Etwas Kopfzerbrechen machte mir der Anschluss des SCSI Kits der Blizzard Turbokarte. Anders als der SCSI Standard 50 polige Anschluss hat die Karte nur einen 25 poligen Stecker.  Somit war basteln angesagt um eine Adapterkabel 26 zu 50 polig zu bauen. Die Position des ACARD Scsi2IDE Adapter war hingegen fix festgelegt. Das starre Diskettenlaufwerkkabel dient als Fixierhilfe und ein Klettband sorgt für den notwendigen halt. Ein IDE Kabel mit Stecker und Buchse sorgt als Verlängerung zum Anschluss der Festplatte. Unterhalb der Festplatte liegt ein dünner zurechtgeschnittener Karton um ein Kurzschluss zwischen Festplatte und oberes Abschirmblech zu verhindern! Die Fixierung der Festplatte erfolgte einfach mit etwas Heißkleber an der Festplatte. Heißkleber bekam hier vor den Kabelbindern den Vorzug um ein ungewolltes verrutschen der Festplatte zu verhindern. Außerdem läßt sich auch der Kleber rückstandsfrei entfernen.

Was mich am Blizzard SCSI Kit störte ist die Tatsache, dass es keine Möglichkeit gibt bzw. vorgesehen ist, die HD-Led des Amiga zu verwenden. Aufgrund des IDE Datenblattes liegt der LED Pin am PIN 39. Doch wo schließt man im Amiga nun das andere Ende an? Direkt am HD-Adapter, der Reduzierung von 44 auf 40-polig oder am Mainboard direkt? Ganz falsch, im Datenblatt des Acard 7720u ist JP3 als „Activity Led“ bezeichnet. Wie häufig im Amiga, muss gebastelt werden, so auch das Kabel mit 2 Buchsen. Doch nach dem einschalten des Amiga 1200 leuchtete die HD-Led ständig gedimmt. Hm, auf Dauer wird mir das nicht gefallen. Nach Einbau eines 10kO Widerstandes im Kabel leuchtet die HD Led auch nur beim Zugriff auf die Festplatte. Tatadada… wieder ein offener Punkt gestrichen 🙂

Dummerweise hat mein SCSI Kit noch eine ältere Version verbaut. Im vergleich zur aktuellen ROM Version 8.5 ist meine 7.19 wirklich alt. Dummerweise habe ich derzeit keine 27C256 oder 27C512 PLCC Eprom ICs hier. Daher muss das alte ROM erstmals herhalten 😀

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Damals war SCSI der quasi Standard in vielen Geräten. Heute mag die Technik angestaubt wirken, was Sie tatsächlich auch ist. Das einzig wichtige zu wissen ist:
1. der SCSI Bus muß am Ende und Anfang terminiert sein
2. jedes Gerät erhält eine unique SCSI ID

Aus diesen beiden Punkten ergibt sich beim Phase5 SCSI Kit folgende Situation. Das SCSI Kit selbst hat die ID-7. Somit stehen dem User noch die IDs 0-6 zur Verfügung. Wer mehrere Geräte in seinem A1200 unterbringen möchte, wie auch immer das funkionieren soll, vergibt die IDs aufsteigend. Also die 1. Festplatte erhälte die ID 0, das CD-ROM die ID 1 usw.
Im obigen Punkt 1 steht, das erste und letzte Gerät muss terminiert sein. Das SCSI Kit erledigt diesen Punkt bereits ohne weiteres zutun. Wichtig ist nun, den Acard als letztes Gerät meiner, zugegeben doch sehr kurzen SCSI Kette, zu terminieren. Daher muss beim 7720u der Jumper auf JP2 gesetzt sein. Wer möchte kann auch den Term-Power Jumper JP4 setzten. Beim Betrieb von einem Gerät ist dies jedoch unerheblich.
Bei SCSI-2 genügt es die passiven Terminatoren bei den Geräten zu verwenden. Nochmals, wer den SCSI Bus nicht terminiert, riskiert teilweise undefinierbare Fehler. Außerdem sucht man den Fehler überall, aber nicht in der Hardware bzw. bei einem fehlenden oder falsch gesetzten Jumper!

Hier das Datenblatte des Acard 7720U und 7720UW. Im Fall der Fälle damit es nicht irgendwann in den tiefen des Internets verschwindet.
ACARD_AEC-7720u-7720UW

Einige Bilder… und wer Fragen hat, der fragt einfach 🙂

Bis die Tage und tschüssi…

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SCSI-2-IDE Adapter im Amiga

Vor 2 Wochen am Retroabend gab es eine hitzige Diskussion über die SCSI zu IDE Adapter im Amiga. Das Amiga System erschien zu einer Zeit als SCSI Systeme den Festplattenmarkt dominierten. Heutzutage ist es hingegen schwierig noch an SCSI Festplatten heranzukommen, die schnell, leise und robust sind. In diese Lücke preschen nun die oben genannten Adapter.

Insgesamt sind in meinem Besitz Adapter von 3 verschiedenen Herstellern.
1. ACARD (http://www.acard.com/english/home.jsp)
2. IO-DATA
3. Yamaha

ACARD-7720, IO-Data, Yamha
ACARD-7720, IO-Data, Yamha
von oben nach unten
ACARD-7720, IO-Data, Yamha
ACARD-7720, IO-Data, Yamha
Rückseite

 

Im Bild sind diese jeweils von oben nach unten dargestellt. Sowohl die Vorder- als auch die Rückseite.

Die meisten Amiga System wurden als SCSI-1 oder SCSI-2 produziert. Die maximale Geschwindigkeit bei SCSI-2 betrug 10 MB/s. Als Steckkarten im Amiga 500 oder 2000 war die Geschwindigkeit seitens des Zorro Bus limitiert. Daher diente, um die maximale Geschwindigkeit auszureizen als Testsystem ein Amiga 1200 mit einer Blizzard 1230 MK-4 mit SCSI-2 Controller.
Das sog. SCSI-Kit der Blizzard hat intern einen 26-pol. Anschlussstecker. Somit musste erst ein Adapter von 26-pol auf 50-pol gebaut werden um die SCSI-2-IDE Adapter anzuschließen. Im Internet finden sich zig Anleitungen mit der Pinbelegung. Grüne Leitungen sind Datenleitungen und weiße sind Ground. Zur Sicherheit bestückte ich alle GND Anschlüsse (wäre nicht notwendig gewesen ;)).

Blizzard 1230 MK-4 mit SCSI-Kit
Blizzard 1230 MK-4 mit SCSI-Kit

Die Rahmenbedingen sind der erwähnte A1200 Mainboardrevision 2B und Phase5 Blizzard 1230 MK-4.
Festplatte:         1,8 Zoll Toshiba MK2004GAL
Dateisystem:     PFS3
Mask:                  0x7FFFFFFF
Max Transfer:   0x7FFFFFFF
SCSI direct

Toshiba MK2004GAL
Toshiba MK2004GAL

Die SCSI Einstellungen erfolgten mittels Unitcontrol. Dieses ist Teil des Blizzard SCSI Kits und befindet sich dort auf Diskette. Die grafische Einstellungen sind nach einem Softreset zurückgesetzt. Dauerhaft läßt sich dies über die Shell lösen. Das Readme erklärt die notwendigen Parameter ausführlich. Ganz wichtig hierbei ist den Eintrag in der startup-sequence oben zu plazieren!

Mir genügte die Sysinfo Messung für die Laufwerksgeschwindigkeit. Andere Tools wie beispielsweise Drive Speed oder SCSI-Bench liefern deutlich aussagekräftigere Ergebnisse. Für einen schnellen Überblick genügt die grafische Aufbereitung seitens Sysinfo.

ACARD-7720U:

ACARD-7720 Sysinfo
ACARD-7720 Sysinfo

IO-DATA R-IDSC-E/R Ver. 1.30.9

IO-Data Sysinfo
IO-Data Sysinfo

Yamaha

Yamaha Sysinfo
Yamaha Sysinfo

 

Fazit:
Der Messung zufolge liegt der ACARD Adapter deutlich vorne. Desweiterem erscheinen weiterhin Firmware Updates für diesen Controller. Gerade für Besitzer einer Blizzard lohnt sich das einspielen der Updates. Das Update erfolgt über den PC mit angeschlossenem Adapter und booten im DOS Modus. Am SCSI-2-IDE Adapter selbst darf kein Endgerät angeschlossen sein!

Yamaha und IO-Data liegen etwa gleichauf. Bei beiden ist die Entwicklung eingestellt. Support oder eine neue Firmware gibt es zukünftig definitiv nicht!

Für einen Amiga 500 oder 2000 Besitzer mit Zorro SCSI Steckkarte eignen sich die Adapter von Yamaha bzw. IO-Data. Alle anderen Amiga Besitzer mit Turbokarte mit integriertem SCSI Anschluss sollten eher Ausschau nach dem ACARD nehmen.

Hier die notwendigen PDFs für IO-DATA und Yamaha Adapter. Die Anleitung zum ACARD-7720 steht auf deren Webseite.

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Yamaha SCSI-2-IDE Converter

DKB 1240 Mongoose – Turbokarte für Amiga 1200

Vor einiger Zeit bekam ich eine DKB 1240 „Mongoose“ Turbokarte für den Amiga 1200. Anders als vielleicht die 1240 vermuten lässt, befindet sich ein 68030 Prozessor auf dem Board. Eigentlich hatte ich keine Lust ein funktionierendes Gespann mit Phase5 Blizzard MK-IV auseinander zu rupfen. Daher vergingen einige Wochen bis ein Freund mich bat ihm eine Turbokarte auszuleihen. Er hatte sich eine Karte neu gekauft die nach wenigen Minuten abstürze fabrizierte. Als Workaround solle er Ferrits bzw. Kondensatoren auf seinem Board prüfen. Da er weder löten kann, noch wusste welche Bauteile wohin müssen und in irgendwelche Foren geleitet wurde, entschied ich mich ihm die DKB 1240 zu geben.

DKB 1240 Mongoose
DKB 1240 Mongoose

Der Einbau ist etwas hakelig weil die Karte an der abgeschnittenen Kante beinahe so breit ist wie die Ausbuchtung. Trotzdem mit etwas Übung kinderleicht, nur keine Gewalt anwenden! Der RAM Sockel ist auf der Rückseite. Wer also tauschen möchte muss entweder das Gehäuse öffnen oder die Karte ausbauen.

Hier nun einige Spezifikationen:

DKB 1240 „Mongoose“
Hersteller DKB
Herstellungszeitraum 1994
Prozessor Motorola 68030 50MHz, PGA
Co-Prozessor (optional) Motorola 68881/68882, PGA
Max. RAM 128 MB PS2 oder EDO
RAM autokonfigurierend Ja
PCMCIA friendly Ja
TK RAM verfügbar wenn aus Nein
Abschaltbar Nein
SCSI On-Board Optional
Echtzeituhr Ja
MAPROM Funktion Ja, über Software RemapKS

Nach dem Einbau bootet der Amiga brav in die Workbench. Zum Verschieben des Kickstarts liefert DKB das Programm RemapKS mit. Am besten in WBStartup Ordner kopieren oder früher über die startup-sequence starten.  Es gibt einen Optionalen SCSI Controller. Allerdings besitze ich diesen nicht. Sehr interessant empfand ich die Wärmeentwicklung der Karte. Im direkten Vergleich zur Blizzard bleibt die DKB 1240 deutlich kühler. Die Stabilität der Karte ist hervorragend. Während meines Tests über mehrere Tage stürzte kein einziges Programm ab! Wir zockten zu dritt am Amiga Nitro über 5 Stunden ohne einen Access Fault von WHDload!

Natürlich muss die Karte sich Sysinfo und dem Bustest stellen:

Die Karte ist sichtbar langsamer als die Königin Blizzard MK-IV. Allerdings ist dies in der Workbench oder bei anderen Programmen nicht spürbar. Hier bremst vor allem der langsame IDE Kontroller des A1200 aus.

Bustest DKB 1240
Bustest DKB 1240

Unter Sysinfo zeigt die Karte gute Werte. Zwar muss die DKB der Blizzard den Vorzug geben doch der Vorsprung ist knapp.

Sysinfo DKB 1240
Sysinfo DKB 1240

Fazit
Die DKB 1240 Mongoose bringt alles mit was eine Amiga 1200 Turbokarte benötigt. Neben der Möglichkeit einen Co-Prozessor und SCSI Controller aufzustecken, nimmt die Karte bis zu 128 MB RAM auf. Dabei zeigte sich die Karte nicht wählerisch nahm alles von 4MB bis 128MB auf. Die Verarbeitung ist hervorragend, zwar etwas nervig beim Einbau, doch im Betrieb schnell, stabil und kühl. Die Karte ist absolut empfehlenswert und eine gute Alternative zur Blizzard.

Verkaufe MEINEN Amiga 4000

Hallo zusammen,

das Gerät steht nicht mehr zum Verkauf. Danke für die zahlreichen Anfragen und dem neuen Besitzer viel Spaß mit dem Gerät

Amiga Netzteil – Elko austausch

Diese Woche hatte ich das Bedürfnis meinen Amiga 1200 raus zu kramen und ein paar Runden Banshee, Battle Squadron und Populous zu spielen. Also ausgepackt, angeschlossen und die Kiste gestartet. Der Rechner bootete normal in die Workbench und Banshee gestartet. Nach ca. 10 Minuten kam ein WHDload Fehler mit Vector Exception in $10. So ein Mist, gerade Warmgespielt und nun solch ein blöder Fehler. Also Rechner ausgeschaltet und die ganze Prozedur von vorne. Nach ca. 20 Minuten war erneut Schluss mit der gleichen Fehlermeldung. Also, irgendwas stimmt offensichtlich nicht. Denn bevor der Rechner eingepackt wurde lief dieser mit der Banshee Demo über 10 Stunden stabil. Es fand keine Änderung in der Hard- und Software statt. Als einzige Idee blieb mir nur die Spannungen zu messen. Also Multimeter heraus gezückt und am Floppystromstecker gemessen. Komischerweise lagen dort etwa nur 4,92V anstatt der benötigten 5V an. Da der Amiga für den Betrieb eigentlich nur die 5V benötigt, ersparte ich mir weitere Messungen. Es lag also eine Unterversorgung auf der 5V Schiene an und evtl. verursachte dies mein Problem mit Banshee!
Der nächste Schritt war der Blick in das Netzteil. An dieser Stelle möchte ich eine Warnung aussprechen.  Arbeiten an jeder Art von Netzteil ist gefährlich, auch wenn das Gerät einige Minuten vom Stromnetz getrennt ist, können weiterhin gefährliche Spannungen für Leib und Leben anliegen! Die Warnhinweise an Netzteilen sind nicht ohne Grund aufgedruckt und ein öffnen sollte nur von geschulten und ausgebildeten Personen erfolgen!

Sicherheitshinweis am Amiga Netzteil!
Sicherheitshinweis am Amiga Netzteil!

Nachdem das Netzteil geöffnet war schweifte mein Blick erstmals über die Kondensatoren. Bei zweien viel mir sofort der gewölbte Deckel auf. Bei diesen beiden war es nur eine Frage der Zeit bis diese mit dem Auslaufen beginnen. Ein Becher Elko läuft nur nach oben oder nach unten aus. Häufig sind es die kleinen Elkos die vom Auslaufen bedroht sind, die größeren Typen trocknen mit der Zeit innerlich aus und können somit die notwendigen Spannungen nicht liefern bzw. kommen deren Glättefunktion nicht nach.
Aufgrund des Netzteilalters entschloss ich mich für einen komplett Ersatz der Elkos. Wegen der blöden Lage der Elkos, teilweise hintereinander konnte ich die Werte nicht ablesen, also  lötete ich alle aus und markierte mir auf einem Zettel die Positionen und deren Werte. Glücklicherweise war auf der Platine der Minus-Pol mit einem schwarzen Strich markiert.

Minus Polung markiert
Minus Polung markiert

Die benötigten Typen hatte Reichelt alle auf Lager und somit folgte noch am gleichen Abend eine Bestellung. Blöd ist hier der Mindestbestellwert von 10€ Euro bei Reichelt. Für die Handvoll Elkos blieb ich unter 4 Euro. Also noch etwas Lot und PCB Reiniger mitbestellt.
Zwei Tage später klingelte der Postzusteller und übergab das überdimensionierte Paket. Oh cool, schon wieder ein Katalog drin… 🙂

Links alter Elko und rechts neuer Elko
Links alter Elko und rechts neuer Elko

Das einlöten war aufgrund der Vorarbeit ein Kinderspiel und keine große Herausforderung. Nachdem das Werk vollbracht war noch mit dem Multimeter die neu eingelöteten Bauteile durchpiepen ob sich evtl. irgendwo eine Brücke entstand.

Netzteil mit neuen Elkos bestückt
Netzteil mit neuen Elkos bestückt

War nicht der Fall und somit Deckel rauf, zugeschraubt und an den Amiga gestartet. Die Blizzard zeigte wie erwartet ihr blaues Streifenmuster und Sekunden später war die Workbench da. Nochmals am Floppystromanschluss gemessen und nun lag dort die richtige Spannung an. Also wiederum Banshee gestartet und nach ca. 3 Std. zufrieden zurückgelehnt und die Augen gerieben. Meine Güte, was flimmert der alte 1084er Monitor 😀
Das Netzteil verrichtet brav seinen Dienst und bis in 20 Jahren wenn der nächste Austausch fällig ist.

Phase5 Blizzard 1230 MK-IV vs. DCE Typhoon MK-2

Bei beiden Produkten aus dem Hause Phase5 und DCE handelt es sich um sogenannte Turbokarten für den Commodore Amiga 1200.

Typhoon MK-2 und Blizzard MK-IV
Typhoon MK-2 und Blizzard MK-IV

Hier vorab die wichtigsten Spezifikationen:

Blizzard 1230 MK-IV Typhoon MK-2
Hersteller Phase5 DCE
Herstellungszeitraum 1994-1996 1999
Prozessor Motorola 68030 50MHz PGA Motorola 68030 40MHz QFP
Co-Prozessor (optional) Motorola 68882 PGA Motorola 68882 PGA
Max. RAM 128 MB EDO-RAM 64 MB EDO-RAM
RAM autokonfigurierend Ja Jumper auf der Platine
PCMCIA friendly Ja Ja
TK RAM verfügbar wenn aus nein nein
Abschaltbar Drücken der Taste „2“ Jumper auf der Platine
SCSI On-Board Optional, zusätzlichen 128MB Ja
Echtzeituhr Ja Ja
MAPROM Funktion Ja nein

Blizzard 1230 MK-IV
Die Blizzard Turbokarten Serie war eine Entwicklung von der damaligen Hardware Edelschmiede Phase5. Der letzte Wurf der 1230 Serie war die MK-IV. Die Verarbeitung ist wie von Phase5 gewohnt hervorragend. Die Karte sitzt passgenau und zum einsetzen muss der Amiga nicht geöffnet werden. Das Einsetzen erfolgt über den Erweiterungsschacht an der Gehäuse Unterseite. Die MK-IV ist sehr gutmütig wenn es um die RAM Bestückung geht.  Die Karte lief mit allen mir zur Verfügung stehenden Speicherriegeln ohne einmal zu mucken. Einsetzen, einschalten und Spaß haben… so sollte es bei Amiga Hardware sein.
Desweiteren ist die Karte für eine 1230er auch rasend schnell . Bisher kenne ich keine schnellere 68030 Prozessorkarte für den Amiga 1200. Rein auf die Anbindung des Speicherinterfaces übertrumpft die Karte locker Ihre größeren Brüder mit 68040 bzw. 68060 Prozessor.

Blizzard 1230 MKIV Bustest
Blizzard 1230 MKIV Bustest

Anhand des optional Ansteckbaren  SCSI Controllers wird die Karte nicht durch den langsamen PIO IDE Controller ausgebremst. Was nützt eine schnelle Turbokarte wenn die Daten schnarchend zum Prozessor gereicht werden? Als nettes Schmankerl bietet der SCSI Controller zusätzlich die Möglichkeit den Speicher, um weitere 128 MB, auf insgesamt 256 MB RAM zu erweitern.

Sysinfo Blizzard MK-IV
Sysinfo Blizzard MK-IV

Typhoon MK-2
Die Typhoon MK-2 ist eine Entwicklung von DCE. Thomas Dellert entwickelte neben der getesteten Karte auch die M-TEC  Viper V. Beide Karte sind sich vom Aufbau und Design sehr ähnlich und beide verwenden das gleiche SCSI device (EMATSCSI.device).
Die Karte selbst ist sauber verarbeitet und besitzt, anders als die oben genannte Blizzard MK-IV, deutlich weniger Logikbausteine. Der Einbau der Karte ist etwas hakelig und ohne das öffnen des kompletten A1200 bekam ich die Karte nicht eingebaut obwohl diese ca. 3 cm kürzer ist. Ein weiterer Minuspunkt im Design ist die Anbringung des SIMM Sockels. Nach Einbau der Karte lässt sich die Abdeckklappe auf der Unterseite nicht mehr schließen. Dies sehe ich als Designfehler an und sollte einer damals renomierten Amiga Hardware Schmiede nicht passieren. Ich persönlich möchte die Öffnung gerne durch die Klappe geschlossen sehen, auch um die teure Hardware zu schützen. Zudem ist die Typhoon Karte inzwischen recht selten.

Typhoon MK-II Bustest
Typhoon MK-II Bustest

Sofern am SCSI Controller keine Festplatte hängt, gönnt sich der Amiga eine gedenkpause von ca. 20 Sekunden bis der Zugriff auf den internen Datenträger am IDE Port erfolgt. Abkürzen lässt sich diese Pause durch drücken der linken Mausetaste direkt nach dem Einschalten. Die Geschwindigkeit des SCSI Controllers ist mit 6,8 MB ordentlich. Wobei die Messung mit Sysinfo erfolgte und somit nur zur Orientierung dienen soll. Der Anschluss an der SCSI Festplatte erfolgt über ein 50-poliges Kabel. Ein durchreichen an externe SCSI Geräte ist nicht vorgesehen.
Der Prozessor hat leider nicht die Durchschlagskraft der Blizzard MK-IV. Sei es nun durch eine Designtechnische Schwäche oder durch die um 10 MHz verringerte CPU Taktfrequenz. Wobei dies im Jahr 2011 nicht mehr ausschlaggebend sein dürfte. Damit kann jeder Amiga Freak leben 🙂

Sysinfo Typhoon MK-2
Sysinfo Typhoon MK-2

Fazit
Beide getesteten Karten sind hervorragend und uneingeschränkt empfehlenswert.
Die Blizzard MK-IV überzeugt als schnellste 68030 Turbokarte und hervorragender Verarbeitung. Dank optionalem SCSI-Controller sind nur kleinere Wartezeiten beim Datentransfer zu erwarten. Leider kostet der Controller beinahe so viel wie die Blizzard Turbokarte selbst. Wer das Geld ausgeben kann sollte es auch tun. Der Amiga reagiert deutlich flotter mit SCSI. Zudem ist der SCSI Controller auch für die Blizzard 1240 und 1260 einsetzbar.
Die Typhoon MK-2 überzeugt mit gutem Speicherinterface und integriertem SCSI-Controller.
Beide Karten sind Ihr Geld wert und zeigten auch im Dauereinsatz keine Aussetzer und keine Abstürze. Was will der heutige Amiga Anwender mehr? Ein Amiga 1200 mit einer der beiden Karten mit installiertem WHDload stellt die optimale Spielmaschine dar.

Wann haben Sie zum letzten Mal Ihren Amiga 1200 eingeschaltet? Vielleicht sollten Sie es jetzt wieder tun!